Mentoring basiert auf der Weitergabe von gelebtem Wissen: MentorInnen teilen aktiv, gerne und freiwillig eigene Erfahrungen, öffnen ihre Netzwerke und geben jungen Menschen Orientierung in herausfordernden Situationen. Es geht also um Gespräche lernwilliger Mentees mit erfahrenen MentorInnen zur Unterstützung der persönlichen Entwicklung der Mentees – und das über einen längeren Zeitraum. Wichtig für dich als Mentee: keine falschen Erwartungen an MentorInnen zu haben, sondern Reflexionsbereitschaft und Umsetzungswillen zu zeigen.
Mentoring ist besonders wertvoll für Menschen an einem Wendepunkt – also bei Karriereentscheidungen, plötzlicher Führungsverantwortung, Neuorientierung oder Wunsch nach persönlichem Wachstum. Das bedeutet: im Einstieg, Umstieg oder Aufstieg! Vor allem für Frauen bietet Mentoring oft die entscheidende Möglichkeit, bei einer angestrebten Veränderung Unterstützung zu erhalten, denn Mentoring ist eine zeitsparende, kostengünstige und gesprächsbasierte Methode der Persönlichkeitsentwicklung.
Bereits ab 12 Personen kann ein Mentoring-Programm sinnvoll sein – vorausgesetzt, es gibt erfahrene Menschen, die bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben. Maßgeschneiderte Programme beinhalten meist auch Seminare, Vorträge und Vernetzung der Mentees. Entscheidend ist aber nicht die Größe, sondern die Klarheit über Ziele und Zielgruppe. Für unternehmensinternes Mentoring gibt es keine wirkliche Vorgabe für die Gruppengröße, denn Mentoring-Gespräche „1:1“ kann die Personalabteilung auch für einzelne Personen organisieren, sofern es Leitlinien oder ein Handbuch dafür gibt.
Gerade NGOs können enorm von Mentoring profitieren: Wissenstransfer, Ehrenamtliche einbinden, Nachwuchs entwickeln – all das sind Kernaufgaben zivilgesellschaftlicher Organisationen. Mentoring ist kein Luxusinstrument der Wirtschaft, sondern ein besonders kosteneffizientes Entwicklungsformat. Vor allem im Ehrenamt hilft es sehr, mit Vorbildern zu erkunden, was warum und wie am besten getan wird und Erfolg bringt.
Nein, nein. Erfolgreiche Mentoringprozesse beginnen nicht mit einem Problem, sondern mit „Wie“-Fragen für den nächsten Entwicklungsschritt, z.B.: „Wie gehst du mit Widerständen um?“, oder „Wie verschaffe ich mir mehr Anerkennung für mein Tun?“, oder „Wie setzt du dich als Frau in Männerrunden durch?“
Mentoring wirkt vor allem im Nachhinein. Erste Klarheit entsteht zwar meist schnell, nachhaltige Veränderung geschieht aber langsam, durch kontinuierliche Reflexion und Umsetzungsübung. Also, liebe Mentee: nicht enttäuscht sein, wenn der nächste Karriereschritt nicht schon am nächsten Tag erfolgt, im Rückblick siehst du den Erfolg eines Mentorings klarer.
MentorInnen geben als erfolgreiche Personen Erfahrungen weiter, öffnen Netzwerke und ermuntern ihre Mentee zur Reflexion herausfordernder Situationen. Mentees dürfen also fundierte Erfahrung und Gesprächsbereitschaft erwarten – aber keine fertigen Lösungen oder Abnahme von Verantwortung. Zeitliche Vorgaben gibt es nicht, aber Erfahrungswerte: abhängig von den Rahmenbedingungen sind z.B. in einem Mentoringprogramm 1-2 Stunden im Monat für Gespräche das Minimum, das erwartet werden kann, aber darüber hinaus ist es tatsächlich nur Vereinbarungssache, es gibt auch Mentoringpaare, die ganze Tage miteinander verbringen oder jede Woche einen online-Termin einplanen. Bist du MentorIn? Mein Leitfaden „Workbook für MentorInnen“ gibt dir zahlreiche Tipps für den Einstieg in ein Mentoring.

In aller Kürze: Eine Mentee sollte lernbereit, pünktlich und reflektiert sein. Sie muss nicht alles umsetzen, was die Mentorin vorschlägt, aber sie sollte zeigen, dass sie über Situationen und Veränderung gründlich nachdenkt, neues Verhalten mehrfach übt und rückmeldet, wie es ihr dabei gegangen ist. Außerdem ist beiderseitiges Vertrauen wichtig, also Verschwiegenheit nach außen über die Gespräche zwischen Mentee und MentorIn. Hol dir gerne mein „Workbook für Mentees“ mit weiteren Tipps!
Nein, formal ist keine Zusatzausbildung notwendig – aber ein fundiertes Verständnis der methodischen Unterschiede schon. Wer Mentoring nur als „erweitertes Coaching" verkauft, ohne den Rollenwechsel zu verstehen, riskiert enttäuschte KlientInnen! Mein eigens zu dieser Frage entwickelter Ratgeber „Mentoring ist nicht Coaching!“ erklärt das gerne im Detail.

Mentoring setzt eine gewisse persönliche Stabilität voraus. Bei akuten persönlichen oder psychischen Belastungen passt Mentoring gar nicht. Da wäre sinnvoller, therapeutische oder medizinische Unterstützung zu suchen und sich erst wieder emotional und psychisch zu festigen, bevor ein Mentoring-Programm in Angriff genommen wird oder MentorInnen gesucht werden.